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Training mit Hund

Apportieren lernen

Apportieren ist für den Hund eine schöne Freizeitbeschäftigung. Du solltest jedoch von Anfang an gewisse Regeln einhalten.
 

Apportieren oder Stöckchen werfen?

Zwischen zuverlässigem Apportieren und Stöckchen werfen können Welten liegen: Stöckchen werfen sieht leider im Allgemeinen so aus, dass während des Spaziergangs ein Stock geworfen wird und der Hund sprintet blindlings hinterher. Mal bringt er den Stock zurück, ein anderes Mal nicht. Mal kaut er darauf herum, ein anderes Mal rennt er gar nicht erst hinterher. Dementsprechend findet weder eine Erziehung statt – die beim Apportieren perfekt eingebunden werden kann – noch kommt es zu einer echten Zusammenarbeit oder einer Verbesserung der Beziehung zwischen Mensch und Hund. Im Gegenteil: Wenn man Pech hat, wird durch falsches Apportieren das Jagdverhalten des Hundes gefördert. Beim Apportieren sollten daher ein paar Regeln beachtet werden.
 

Apportieren mit Welpen

Hunde wollen beschäftigt werden – ansonsten besteht die Gefahr, dass sie sich selbst eine Beschäftigung suchen, die nicht immer im Sinne des Hundehalters ist. Wer also einen Welpen zuhause hat, der gerne Gegenstände herumträgt und bringt, bei dem sollte die Gelegenheit genutzt und dies gefördert werden, um später eine artgerechte Beschäftigung anbieten zu können. Vor allem Retrievern und typischen Jagdhunden liegt das Apportieren im Blut, schließlich war und ist es ihre Aufgabe, bei der Jagd auf Kleinwild die Beute aufzuspüren bzw. zu bringen. Dementsprechend ist das Apportieren für sie eine perfekte Freizeitbeschäftigung, mit der spielerisch bereits im Alter von ca. sechs Wochen begonnen werden kann: Das Bringen von „Beute“ sollte jedesmal belohnt werden, indem der Welpe als Austausch für das jeweilige Objekt ein Leckerli erhält. Wenn er das Prinzip verstanden hat und freudig apportiert, kann nach zwei bis drei Wochen damit begonnen werden, nur noch ein Leckerli für Gegenstände zu geben, die er wirklich haben darf. Dazu gehören weder Socken noch Hausschuhe oder Haushaltsgegenstände. Diese werden wortlos angenommen, es gibt aber weder ein Leckerli noch Schimpfe. Den Hund zu tadeln, könnte die Freude des Apportierens grundlegend hemmen.
 

Wenn der Hund nicht apportiert

Vielleicht möchtest Du Deinen Hund zum Apportieren bringen, aber er zeigt keinerlei Interesse. Dann musst du ihn entsprechend motivieren, denn bei manchen Hunden genügt es nicht, einfach einen Gegenstand zu werfen und darauf zu hoffen, dass sie ihn zurückbringen. Sie wissen gar nicht, was von ihnen gewünscht wird und schauen einen nur verständnislos an. Von Vorteil kann es in diesem Fall sein, nicht irgendeinen Ball oder ein Spielzeug des Hundes auszuwählen, sondern einen Futterdummy. Damit ist ein Beutel gemeint, der mit Trockenfutter oder Leckerli gefüllt werden kann. Er dürfte allein schon deshalb für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Am Besten wirfst Du ihn in die Luft, fängst ihn freudig wieder auf, ziehst ihn über den Boden und animierst Deinen Hund mit auffordernden Worten, an dem Spiel teilzunehmen. Sobald er den Dummy ins Maul nimmt, gibt es sofort eine Belohnung und viel Lob. Diese Übung genügt für den Anfang und sollte einige Male wiederholt werden, bevor der nächste Schritt kommt.
 

Apportieren lernen

Wenn ein Hund gerne Gegenstände bringt, kann Stück für Stück „echtes“ Apportieren gelernt werden. Dazu kann es notwendig sein, eine Schnur am Dummy anzubringen. Wirf ihn zwei, drei Meter weg und fordere Deinen Hund zum Beispiel mit dem Wort „Bring“ oder „Apport“ dazu auf, den Gegenstand zu apportieren. Bei vielen klappt dies sehr schnell ganz automatisch, es kann aber auch notwendig sein, an der Schnur etwas zu ziehen und ihn dadurch zu animieren. Keinesfalls solltest Du auf den Hund zugehen, sondern Dich ein wenig entfernen und ihn locken. Sollte es noch nicht ganz klappen wollen, achte auf eine möglichst störungsfreie Umgebung, sprich keine anderen Hunde, deren zurückgelassenen Düfte, lärmenden Kinder oder andere Ablenkungen. Im Zweifelsfall solltest Du den Dummy nur über eine sehr kurze Distanz werfen, sodass Du es mit einem Schritt selbst erreichen könntest.
 

Regeln beim Apportieren

Im Gegensatz zum unkontrollierten Stöckchen werfen, kommen beim Apportieren zwei wichtige Regeln hinzu: Der Hund soll nicht blindlings jedem sich bewegenden Gegenstand hinterher rasen, sondern muss vor dem Wurf „Sitz“ machen und darf erst auf Kommando den Gegenstand apportieren. Das ist vor allem bei Hunden wichtig, die es mit dem Gehorsam nicht so genau nehmen und auch schon einmal einem Radfahrer oder Jogger hinterhergerannt sind. Für sie ist professionell durchgeführtes Apportieren eine hervorragende Erziehungsmöglichkeit, um die sogenannte Standruhe zu trainieren. Lass Deinen Hund neben dir „Sitz“ machen und wirf den Dummy testweise in die Luft. Schnell zeigt sich, ob der Hund das Kommando beibehält. Wenn ja, kannst Du den nächsten Schritt unternehmen und den Dummy ein paar Meter wegwerfen, während Du das Kommando nochmals wiederholst. Häufig klappt die Umstellung noch nicht sofort und der Hund rennt los. Es kann sinnvoll sein, ihn in der ersten Zeit an die Leine zu nehmen, um ihn zurückzuhalten. Den Gegenstand apportieren darf er von nun an erst, wenn er das Kommando „Bring“ oder „Apport“ erhält. Will der davor los, kannst Du ihn nochmals Absitzen lassen und den Dummy selbst holen. Das könnte ihn davon überzeugen, dass er sich besser an die Regeln halten sollte, um anschließend seinen Spaß und ein Leckerli zu bekommen. Je nachdem, an welcher Stelle es hakt, sollte man individuell ansetzen und das jeweilige Problem beheben. Apportierfreudige Hunde lernen sehr schnell, dass es Regeln gibt, die es zu beachten lohnt .
 

Apportieren für Fortgeschrittene

Beim Apportieren gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen: Zum einen kann die Entfernung immer weiter vergrößert werden. Zudem muss der Dummy nicht immer nach vorn, sondern kann auch zur Seite oder nach hinten geworfen werden. Echte Profis legen noch eine Schippe oben drauf und lassen ihre Hunde nacheinander gleich mehrere Dummys apportieren. Oder sie legen zwei, drei Dummys aus und lotsen ihre Hunde über Armbewegungen in die jeweilige Richtung. Das hat alles nichts mehr mit Stöckchen werfen zu tun, sondern sorgt für eine körperliche wie auch mentale Auslastung des Hundes. Der Mensch macht sich interessant, weil er nicht zum bloßen Stöckchenwerfer degradiert wird, sondern aktiv mit seinem Hund arbeitet. Apportieren mit Regeln ist förderlich für die Beziehung zwischen Mensch und Hund und kann eine echte Erziehungshilfe darstellen. Außerdem ist es ohne den geringsten Aufwand umsetzbar, weil lediglich ein Futterdummy benötigt wird – und schon kann es los gehen.

 

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