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Kolumne

Hundeausbildung - eine ganz eigene Welt

Von H. P. Schaarschmidt
Die Ausbildung von Hunden ist keine einfache Sache und je mehr sich unerfahrene Hundebesitzer damit beschäftigen, desto größer werden die Fragezeichen. Dabei ist die Hundeerziehung gar nicht so schwer, wenn man die „Regeln aus der Hundewelt“ beachtet. Hier kommen wir bereits zum ersten Hindernis bei der Zusammenarbeit, nämlich zu der ehrlichen Frage und Erkenntnis: Kenne ich diese Hundewelt überhaupt?

Wir von Schaf-Land agieren anders als die meisten Hundeausbilder - was nicht heißen soll, dass alle Unrecht und nur wir die Weisheit gepachtet haben. Natürlich nicht, aber unser Training von Hütehunden basiert auf anderen Schwerpunkten bei der Herangehensweise und ist ein Ergebnis jahrzehntelanger, täglicher harter Arbeit. Frei nach dem Motto: Nichts ist lehrreicher als die Praxis.

Der Anfang

Ganz am Anfang sollte immer die Frage stehen: Welcher Hund passt zu uns und unseren Lebensumständen? Um es einmal ganz überspitzt auszudrücken: Ein Border Collie passt nicht ins Zentrum einer Großstadt und zwei kleine Jack Russell nicht zu einer alleinstehenden älteren Dame, die nicht mehr gut zu Fuß ist. Der Hund bekommt so keine artgerechte Haltung und der Zweibeiner keine vergnügliche Zeit mit dem vierbeinigen Gefährten. Auf unserer Erde gibt es ca. 500 Millionen Hunde, wovon ca. 60 Millionen anerkannten Rassehunden zugeordnet werden, die wir wiederum in 390 Rassen wiederfinden. Es gibt aber Schätzungen, dass es inklusive der nicht anerkannten mehr als 800 Rassen weltweit gibt. Da sollte doch für jede Familie der passende Vierbeiner dabei sein …?

Die Ausbildung

Bei Schaf-Land durchlaufen unsere vierbeinigen Mitarbeiter zwei Stufen der Ausbildung. Diese beginnt mit den Gesetzen des Rudels und der Unterordnung, wie zum Beispiel mit Sitz, Platz, Komm usw. Dies ist bei uns im eigentlichen Sinne noch gar keine Ausbildung, also eine Ausbildung vor der Ausbildung und wird bei Schaf-Land relativ schnell abgehandelt. Der Grund dafür ist so einleuchtend wie simpel. Zum einen ist es nicht schwer (wenn man weiß wie es geht) und zum anderen brauchen wir für eine viel komplexere und schwierigere Ausbildung noch sehr viel Zeit. Bevor es aber an irgendeine Übung geht, lernen die Zweibeiner zunächst einmal ihren Begleiter genau zu beobachten.
Hört sich kinderleicht an? Hier ein Test: Beobachten Sie Ihren neuen Schützling drei Minuten lang intensiv, ohne Unterbrechung oder Ablenkung. Seien Sie mit Auge, Ohr und allen Sinnen ausschließlich bei Ihrem Hund. Kein Problem? Dann lassen sie sich doch mal in einem Selbstversuch überraschen.

Die Ausbildung und erste Schritte

Möchte man seinen Hund artgerecht und gewaltfrei erziehen, lohnt es, sich zunächst etwas mit der Geschichte zu beschäftigen. Dabei meine ich nicht nur das Rudelverhalten von Wölfen, sondern zum Beispiel die Frage: Wer war eigentlich der Erste, der Hunde nicht nur gewaltfrei ausgebildet, sondern sie vor allem als ganz besondere Individuen gesehen hat - jedes einzelne Tier? Es war ein englischer Offizier, der trotz grandioser Erfolge von all seinen Kollegen mehr als nur argwöhnisch beobachtet wurde. Auch Spott musste er ertragen. (Über dies und vieles andere berichte ich übrigens in meinem Buch „Tiergefährten“.) Die Ausbildung /Grundregeln Ist es dann aber soweit, dass der kleine vierbeinige „Zauberlehrling“ seine ersten echten Lektionen lernen soll, gelten bei uns immer und zu jeder Zeit folgende Grundregeln:

  • Respekt
  • Vertrauen
  • Konsequenz
  • Geduld
  • Spaß beim Tun

Respekt: Wir gehen immer respektvoll mit unseren Hunden sowie all unseren Tieren um.

Vertrauen: Nicht nur der Hundeführer muss seinen Vierbeiner vertrauen, sondern vor allem auch der Hund muss seinem Rudelführer vertrauen.

Konsequenz: Wir halten uns an selbst aufgestellte Regeln, setzen diese aber auch bei den Hunden durch.

Geduld: Dies ist eine der größten Herausforderungen, denn Geduld haben nur sehr wenige im Überfluss.

Spaß beim Tun: Arbeite immer mit Freude und dann auch nur, wenn der Hund diese Freude teilt.

Rudelharmonie

Wir haben eine etwas andere Sicht auf die Dinge bei der Ausbildung als die meisten Hundeausbilder. Eine der wichtigsten Ausbildungssäulen bei Schaf-Land nennen wir Rudelharmonie. Um es aber vorweg zu nehmen, dies bedeute nicht, dass jeder im Rudel machen kann was er will und sich dabei alle immer lieb haben. Ein Rudel funktioniert durch Respekt, Ordnung und eine klar geregelte Hierarchie. Will man von anderen intelligenten Wesen, wie zum Beispiel dem Hund, ernst genommen und als Rudelführer akzeptiert werden, muss man ihre Welt und die dazugehörigen Gesetze kennen. Wir versuchen ihr Handeln zu verstehen, gewinnen das Vertrauen und überzeugen sie, dass wir die richtigen Rudelführer sind. Hört sich recht simpel an, ist aber in der Praxis und vor allem im Verständnis ein ganz anderer Weg, als die meisten beschreiten. Wir sind auf ein absolutes Vertrauensverhältnis angewiesen, da unsere vierbeinigen Begleiter nicht nur ein Teil unseres Lebens, sondern auch unsere Kollegen sind. Wir lieben unsere Hunde, verwechseln aber nie Fürsorge mit Vermenschlichung. Hunde führen nur ein zufriedenes Leben, wenn man ihnen artgerechte, verständliche Regeln vorgibt, wenn sie uns als Rudelführer akzeptieren und folgen können.

… schaffen wir es aber nicht, den Job des Rudelführers zu übernehmen, wird einer der Hunde diese Lücke füllen und wir sollten uns dann nicht wundern, wenn sie ganz andere Ideen haben als das, was wir gerade wollen.


Mit besten Grüßen

H. P. Schaarschmidt
von Schaf-Land


Zur Person:
„Das tägliche Arbeiten mit Border Collies ist eine Lebensart, die man erst vollkommen verstehen kann, wenn man mit seinen Hunden auch die eigenen Schafe bewegt, sei es auf der Weide, bei der Hütevorführung, Landschaftspflege oder im Stall.“ Hardi Peter Schaarschmidt ist im Erzgebirge aufgewachsen und hatte bereits als Kind intensiven Kontakt zu Tieren. Heute ist der BELCANDO® Fan Experte im Bereich Hütearbeit und Buchautor, berichtet über seinen aufregenden Alltag mit Tieren und den vielen wundersamen Individualisten, die seinen Weg kreuzen.

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