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Gesundheitstipps

Tollwutimpfung für Hunde in Deutschland nötig?

Deutschland gilt seit dem Jahr 2008 als tollwutfreies Land. Daher fragen sich immer mehr Hundebesitzer, ob eine Tollwutimpfung für den Hund wirklich notwendig ist.
 

Ist Tollwut eine Gefahr für unsere Hunde?

Deutschland wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2008 zum tollwutfreien Land erklärt. Die Gefahr, dass sich ein Hund an Tollwut ansteckt, ist daher extrem gering. Doch auszuschließen ist sie nicht, wie sich in den Jahren 2010 und 2013 gezeigt hat. In den beiden festgestellten Fällen handelte es sich um Hunde aus dem Ausland, einmal aus Bosnien-Herzegowina, das andere Mal aus Marokko. Der Import von Hunden gilt als größter Risikofaktor für eine Wiedereinschleppung der Tollwut in Deutschland, während die Gefahr durch Füchse momentan verschwindend gering ist.
 

Wie wird Tollwut übertragen?

Hunde werden, wie auch andere Tiere, hauptsächlich durch Bisse tollwütiger Tiere mit Tollwut infiziert. In Europa war für die Verbreitung zumeist der Fuchs verantwortlich, weltweit geht die größte Gefahr jedoch von Hunden aus. Wie groß diese für Menschen ist, belegen erschreckende Zahlen: Beinahe 20.000 Menschen erliegen alleine in Indien jedes Jahr der tödlichen Krankheit. Weltweit sollen es zirka 60.000 Menschen sein, vor allem aus Asien und Afrika. Abhilfe könnten Massenimpfungen an Hunden schaffen, doch dazu kommt es in einigen Ländern viel zu selten. Dass diese erfolgversprechend sind, zeigen Zahlen aus Amerika: Nach der Einführung von Impfprogrammen für Hunde ist die Zahl der Todesfälle extrem gesunken. 

In Deutschland und anderen europäischen Ländern konnte die Tollwut erfolgreich durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen ausgerottet werden. Diese fanden zum einen durch eine orale Immunisierung der Füchse statt, zum anderen durch entsprechenden Impfvorschriften bei Hunden. Diese Maßnahmen wurden auch in anderen Ländern durchgeführt, wodurch inzwischen unter anderem auch Österreich, Schweiz, Holland und Italien offiziell als tollwutfrei (frei von terrestrischer Tollwut) gelten.
 

Krankheitsverlauf bei Tollwut

Wird ein Hund von einem tollwütigen Tier gebissen bzw. kommt es zu einer Übertragung der Viren durch Speichel oder Hautverletzungen, zeigen sich anfangs keinerlei Symptome. Es können mehrere Wochen oder sogar Monate bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen. Während dieser Zeit wandert der Tollwut-Virus – der sogenannte Lyssavirus – von der Bissstelle zum Rückenmark und Gehirn des Hundes, wo es zu einer extremen Schädigung der Nervenzellen kommt.

Bricht die Krankheit aus, wird sie in drei Phasen unterteilt: Die erste dauert oft nur einen Tag, an dem der Hund nervös ist, möglicherweise an Übelkeit leidet und bereits etwas reizbarer ist. Zu diesem Zeitpunkt ist es unmöglich, auf Tollwut beim Hund zu schließen. In der nächsten Phase zeigen sich dagegen eindeutige Symptome: Nun macht die Tollwut ihrem Namen alle Ehre. Der Hund wird aggressiv, völlig unberechenbar, leidet unter Bewegungsstörungen, zittert und zeigt einen starken Speichelfluss. Diese Phase dauert zwei bis vier Tage an, bevor die letzte Stufe eintritt: In dieser wird der Hund zunehmend kraftloser, leidet an Krämpfen und immer häufiger an Lähmungserscheinungen. Nach spätestens drei Tagen fällt er ins Koma und stirbt schließlich.
 

Behandlung bei Tollwut

Wenn auch nur der geringste Verdacht auf Tollwut bei einem Hund bestehen, muss umgehend der Tierarzt verständigt werden. Keinesfalls darf der Hund das Haus verlassen, denn zu groß wäre die Gefahr, dass es dabei noch zu einer Übertragung der Krankheit kommen könnte. Es wäre auch völlig unnötig, einen an Tollwut erkrankten Hund zum Tierarzt zu bringen, denn zum einen darf kein Behandlungsversuch unternommen werden, zum anderen ist der Hund nicht zu retten! Beim geringsten Verdacht auf Tollwut kann ein Amtstierarzt die sofortige Tötung des Hundes anordnen, außer er verfügt über eine Tollwutimpfung! Ob ein Hund tatsächlich an Tollwut erkrankt ist, lässt sich leider nicht am lebenden Tier ermitteln, sondern ist nur durch eine Untersuchung am toten Tier möglich. Deuten alle Symptome auf Tollwut hin, sollte der Hund schnellstens von seinen Leiden erlöst werden.
 

Tollwutimpfung für den Hund

Es gibt Diskussionen, ob eine flächendeckende Tollwutimpfung für Hunde wirklich angemessen ist, schließlich gilt Deutschland seit 2008 als tollwutfrei. Die „Ständige Impfkommission Veterinärmedizin“ weist zwar darauf hin, dass andere Mitgliedsstaaten der EU inzwischen dazu übergegangen sind, nur noch Risikotiere bzw. Tiere, die ins Ausland mitgenommen werden, gegen Tollwut zu impfen. Dennoch bleibt die Impfkommission weiterhin bei ihrer Empfehlung, denn: „Geimpfte Tiere sind nach der derzeit gültigen Tollwutverordnung besser gestellt, da von ihrer Tötung nach einer Exposition mit einem an Tollwut erkrankten Tier unter bestimmten Umständen abgesehen werden kann.“ Das bedeutet, dass ein nicht geimpfter Hund in jedem Fall zu töten ist, wenn er Kontakt mit einem tollwütigen Hund hatte, während das bei einem geimpften Hund nicht zwingend der Fall ist. 
 
So lange ein Hund ausschließlich in Deutschland verweilt, ist niemand gesetzlich verpflichtet, seinen Hund gegen Tollwut zu impfen. Allerdings ist dies dennoch die Regel, denn noch immer spricht viel dafür. Dazu gehört zum einen der Schutz vor einer Tollwutübertragung, zum anderen die Besserstellung bei Kontakt mit einem tollwütigen Tier. Zudem ist eine gültige Tollwutimpfung bei allen Reisen innerhalb der EU vorgeschrieben! Und nicht nur das: Wer meint, er verreise ohne seinen Hund und gibt diesen vorübergehend in eine Tierpension, wird auch hier in den allermeisten Fällen nicht um eine Tollwutimpfung herumkommen. Empfehlenswert ist sie außerdem für Hunde, die auf internationale Ausstellungen gehen, denn dort treffen Hunde aus vielen Ländern aufeinander. 
 
Die Tollwutimpfung beim Hund findet üblicherweise ab der 12. Lebenswoche statt. Je nach Hersteller ist anschließend alle zwei bis drei Jahre eine Auffrischung notwendig. Eine pauschale, jährliche Impfung ist nicht durchzuführen, selbst wenn dies gelegentlich in dieser Form noch stattfindet. Entscheidend sind die Angaben auf dem jeweiligen Präparat. Wer keinerlei Reisen ins Ausland plant und seinen Hund nicht in einer Tierpension abgeben möchte, kann es auch bei einer Grundimmunisierung gegen Tollwut belassen. Diese Entscheidung sollte in Absprache mit dem Tierarzt getroffen werden.

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